Lomonossow trug bis 1948 den deutschen Namen Oranienbaum und führt diesen Namen auch immer noch im Untertitel und als Bezeichnung der Bahnstation. Im Wappen führt die Stadt einen Orangenbaum. Der heutige Namensgeber, Michail Wassiljewitsch Lomonossow (1711 – 1765), stammt aus einer armen Fischersfamilie, kam als Leibeigener des Zaren auf die Welt und nur seinem unbändigen Bildungswillen ist es zu verdanken, dass er aus der vorgegebenen Lebensbahn ausbrechen konnte. Er studierte unter anderem in Marburg, wo er eine Marburgerin heiratete, und in Freiberg (Sachsen), war Dichter, Naturwissenschaftler und Reformer der russischen Sprache. Er gründete Moskaus große Universität, die heute seinen Namen trägt. Puschkin rühmte ihn mit den Worten: "Er schuf die erste Universität, besser gesagt, er war selbst unsere erste Universität." Er begründete Russlands Metallurgie, Geologie, Meteorologie, Geografie und Kartografie, engagierte sich auch als Geschichtsforscher, reorganisierte die Sankt Petersburger Wissenschaftsakademie und schuf die ersten Glasmosaike Russlands. In der Nähe des heutigen Lomonossow gründete er ein Farbglaswerk. Heute trägt Russlands berühmteste Porzellanfabrik in Sankt Petersburg seinen Namen.
Oranienbaum entstand 1710 mit der Errichtung des Palastes und Parkkomplexes für Herzog Alexander Menschikow, einen engen Berater Peters des Großen und ersten Generalgouverneur von Sankt Petersburg. Es heißt, dass Menschikow die Ansiedlung nach den in der Orangerie des Schlosses gezüchteten Orangenbäumen benannte. Die Deutschen haben in Lomonossow viele Spuren hinterlassen, als Architekten, Handwerker, Soldaten, Militärforscher. Der im Juni 2005 verstorbene Lomonossower Heimatforscher Juri Kalinin hat dazu eine Schrift verfasst, die hier heruntergeladen werden kann.
Die zahlreichen Paläste und Parks von Oranienbaum dienten bis 1917 als Sommerresidenzen der königlichen Familie und des Adels. Auch Kaiserin Katharina II. (die Große), die aus Deutschland stammte, hatte dort eine Sommerresidenz, den Chinesischen Palast. Das Innere und Äußere ist von ausgesuchter Schönheit. Die Palastgebäude bieten eine sehr seltene Sammlung handwerklicher Kunst des 18. Jahrhunderts, darunter russisches und Meißner Porzellan, erlesenes Mobiliar und Emaillearbeiten.
Katharina die Große holte zahlreiche Deutsche, auch aus Hessen, als "Kolonisten" in ihr neues Heimatland. Sie wurden zunächst in Oranienbaum in Kasernen untergebracht und dann vor allem an die Wolga weitergeschickt, wo Katharina umfangreiche Ländereien besaß. Einige durften im Sankt Petersburger Gebiet bleiben.
Berühmtester Sohn der Stadt ist der Komponist Igor Strawinsky. Berühmte Künstler, Schriftsteller und Komponisten wie Nikolai Alexejewitsch Nekrassow, Iwan Iwanowitsch Schischkin und Modest Petrowitsch Mussorgski wohnten und arbeiteten hier. Häufige Besucher waren Alexander Djuma, Puschkin, Saltykow-Schtschedrin und Turgenjew.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Lomonossow von den sowjetischen Truppen gegen die deutschen gehalten. Dadurch blieben die zahlreichen Kunstschätze der Stadt vor der Zerstörung bewahrt. Zur Zeit wird überall restauriert.
Nach dem Kriege war Lomonossow durch seine maritimen Militäranlagen bis zur Perestroika von der Außenwelt abgeschnitten. Von 1946 bis 1953 arbeiteten hier zwangsverpflichtete deutsche Ingenieure in der Marineforschung. Ihre Kinder gingen in Lomonossow zur Schule und freundeten sich mit den gleichaltrigen Einheimischen an. Die Kontakte bestehen noch heute.
Heute ist von Militär wenig zu sehen, dafür aber gibt es ein pulsierendes Zivilleben. Rund 500 Kleinbetriebe und einige wenige größere haben sich angesiedelt.
Lomonossow ist neben Oberursel verschwistert mit den Städten Anacortes, Washington, und Framingham, Massachusetts, in den USA und der finnischen Stadt Mariehamn auf den Åland-Inseln.Viele Bürger lernen Deutsch. An der Schule ist Deutsch nach Englisch die wichtigste Fremdsprache.
Informationen in russischer Sprache über Lomonossow finden Sie hier. Einen Stadtplan finden Sie hier. Vergessen Sie bei Aufruf russischer Seiten nicht, die Schriftdarstellung Ihres Browsers vorübergehend auf Kyrillisch umzuändern. (Gehen Sie ins Menü "Ansichten" Ihres Browsers, dann ins Feld "Codierung" oder "Schriftart" o.ä. und wählen Sie dann die Schriftart "Kyrillisch (KO18-RU)" aus. Wenn Ihr Browser sich beim Aufruf anderer Seiten nicht automatisch umstellt, wählen Sie auf gleiche Weise wieder lateinisch-westeuropäische Schriftarten aus).
Einen Bericht des Buchautors Horst Gräfe über die Belagerung von Leningrad durch die deutschen Truppen steht hier.





