Übersetzung des Vorworts von Viktor Monja zu seinem Buch "80 Jahre Region Lomonossow".
Verehrte Leser!
Vor Ihnen liegt ein Buch das dem 80-jährigen Jubiläum der Region Lomonossow gewidmet ist. Die reiche und berühmte Geschichte des Lomonossower Gebiets umfasst mehrere Jahrhunderte. In dem weitläufigen Gebiet lebten von alters her Angehörige sehr verschiedener Stämme und Völker, wovon nicht nur die erhaltenen archäologischen Denkmäler Zeugnis ablegen sondern auch die Namen der zahlreichen Flüsse, Seen und Anhöhen, Waldstücke und Ansiedlungen.
Mehrmals war das Lomonossower Gebiet Schauplatz erbitterter Kämpfe um die Verteidigung des Vaterlands im Nordwesten, um den Vorposten des russischen Staates. Das Gebiet musste oft Einfälle und zeitweise Beherrschung durch arglistige ausländische Eroberer ertragen.
Bereits im XIII. Jahrhundert war die Festung Koporje ein wichtiger Stützpunkt der Herren von Groß-Nowgorod auf dem heutigen Lomonossower Gebiet. Die mehr als 700 Jahre alte Geschichte dieser Festung ist voll dramatischer Ereignisse, die Festung ist ein hervorragendes Beispiel für altrussische Wehrbauten. 1240 wurde Koporje von den Rittern des livländischen Ritterordens eingenommen, jedoch vertrieb schon 1241 ein Heer aus Nowgorod unter der Führung von Alexander Newski die ungebetenen Gäste. An dem Sturm auf die fast uneinnehmbare Burg nahmen außer den Kämpfern aus Nowgorod auch solche aus Ladoga, Ischora und Karelien teil.
1581 geriet die Festung Koporje für 10 Jahre unter schwedische Herrschaft. Eine dauerhafte Einnahme musste sie auch im 17. Jahrhundert erdulden. Schwedische Fürsten nutzten die Schwäche Russlands während der Zeit der Wirren und dehnten ihre Herrschaft bis in das
Lomonossower Gebiet aus. 1617 wurde diese Eroberung durch einen Vertrag besiegelt und Koporje wurde das Verwaltungszentrum des schwedischen „Ingermanlandes“ am südlichen Ufer des finnischen Meerbusens. Dieser Zustand dauerte fast 85 Jahre an.
Am Anfang des 18. Jahrhunderts wurden im Verlauf des Nördlichen Krieges die schwedischen Eindringlinge für immer von dieser ureigenen russischen Erde vertrieben.
Auf Befehl von Zar Peter I wurde das Gebiet des „Ingermanlandes“ an Angehörige der Zarenfamilie und höfische Würdenträger verteilt. Da das Gebiet sehr dünn besiedelt war, mussten die neuen Besitzer sie mit Bauern besiedeln, die sie aus Zentralrussland herbeischafften.
Vom Anfang des 18. Jahrhunderts bis zur Oktoberrevolution 1917 entwickeln sich im Lomonossower Gebiet Adelssitze, Gutshöfe und dörfliche Siedlungen und - seit dem Ende des 20. Jahrhunderts - Siedlungen aus Datschen.
..... (Architekten und andere Künstler, die hier arbeiteten)
Das 18. Jahrhundert ist auch eine Zeit, in der um St. Petersburg herum Zarenresidenzen entstanden - Oranienbaum, Peterhof, Strelna, Ropscha, Zarskoje Selo, Pawlowsk, Gatschina. Diese bilden ein glänzendes Geschmeide der nördlichen Hauptstadt, geschaffen von den besten Architekten und Künstlern ihrer Zeit
Eines der bemerkenswerten Güter in der Region Lomonossow war Ropscha, eine Landresidenz der Zaren. Hier findet man keine großartigen Architektur-Ensembles, sprudelnden Fontänen, malerischen Flüsse mit steilen Ufern, die geschaffen wären für die Anlage von Parkanlagen, doch sprudeln hier aus der Erde zahlreiche Quellen, die sich zu dem Fluss Strelka vereinen. Sie waren die Voraussetzung für einen in seiner Art einmaligen Wasserpark mit einem Netz größerer und kleinerer Teiche, die beinahe die Hälfte der gesamten Fläche dieses Anwesens einnehmen.
....... (Wer alles im Kreis Urlaub machte)...
Nach der Oktoberrevolution ging die Herrschaft in Russland in die Hände der Werktätigen über. Bei der Errichtung der neuen Gesellschaft mussten die Bürger der Region, wie auch die des ganzen Landes, unbegründete Repressionen und gewaltsame Kollektivierung erdulden.
Auch die zerstörerischen Kräfte der Bürgerkriegsereignisse gingen nicht an unserer Region vorbei. Im Frühjahr 1919 befand sich die junge Sowjetrepublik im Feuerkreis der Fronten. In Unterstützung der aus dem Osten heranrückenden Truppen Koltschaks organisierte die imperialistische Entente den Angriff Judenitschs auf Petrograd. Im Verlauf eines Monats besetzten die Weißgardisten Jamburg, Gdow, Isborsk, Pskow und Koporje. An der äusseren Verteidigungslinie um Petrograd, die durch Oranienbaum, Ropscha und Gatschina verlief, wüteten erbitterte Kämpfe. Am Morgengrauen des 21. Oktober 1919 griffen die Rotarmisten der 6. Division den Gegner an der Front Konstantinowska - Nowoselja - Rasbegaj mit dem Ziel an, die Linie Ropscha - Krasnoje Selo zu erreichen.
Am 7. November 1919 vereinigten sich zwei sowjetische Armeen - die 7. und die 15., in Ropscha, nachdem sie die Weißgardisten vernichtend geschlagen hatten.
In den harten Jahren des Grossen Vaterländischen Krieges lag ein großer Teil der Lomonossower Region unter de Ferse der faschistischen Besatzer. Abgeschnitten von den
Hauptstreitkräften der Leningrader Front hielten Soldaten der 8. Armee den „Primorski“ Brückenkopf der wegen seiner geringen Größe auch „Oranienbaumer Fleckchen“
genannt wurde.
Seine heldenhaften Angriff nach Ropscha begann die 2. Angriffsarmee vom Oranienbaumer Brückenkopf aus.
Viele Bewohner von Oranienbaum erwarben sich unvergänglichen Kriegsruhm bei den Kämpfen zur Befreiung der Heimat von den Besatzern. Von den Bewohnern des besetzten Gebietes kamen viele um oder wurden nach Deutschland deportiert.
Es verschwanden vom Erdboden oder wurden weitgehend zerstört zahlreiche Lomonossower Gutshöfe, Dörfer, Mühlen und Fabriken, Brücken, Schulen und Krankenhäuser.
Auch die Zarenresidenz Ropscha erlitt erhebliche Zerstörungen. Als die Deutschen Ropscha verließen, zündeten sie den Hof an, der wunderbare Park war von Schützengräben und Stacheldraht durchzogen und vermint. Gebäude und Siedlungshäuser waren zerstört.
Viel Kraft, Mittel und der Mut vieler Dorfbewohner war nötig für den Nachkriegsaufbau der Region. Ungefähr um 1950 hatte man in der Lomonossower Region die landwirtschaftliche Produktion so weit wieder hergestellt, dass man Leningrad mit Fleisch, Milch, Kartoffeln, Gemüse und Fischprodukten versorgen konnte
In den schwierigsten Nachkriegsjahren und während der Perestroika erfuhr die Bevölkerung der Region Lomonossow Aufmerksamkeit und Unterstützung bei der Lösung ihrer Sozial-ökonomischen Probleme von der Seite der Regionalverwaltung des Leningrader Gebietes.
Die Bewohner sind besonders Herrn Gouverneur B. P. Serdiukow zu Dank verpflichtet für die besondere Aufmerksamkeit gegenüber den Problemen der Region, die durch seine Mitwirkung in den letzten Jahren gelöst werden konnten und auch jetzt noch gelöst werden.
Heute gehört die Region Lomonossow zu den wichtigsten Teilen des Leningrader Gebietes und leistet seinen angemessenen Beitrag zum Wiederaufbau der Nord-West-Region und Russlands als Ganzes. Nicht gering ist hierbei auch die Leistung von Valeri Sergejewitsch Gusew einzuschätzen des Leiters der Lomonossower munizipalen Regionalverwaltung sowie der Vorsitzenden des Regionalparlaments Olga Michailowna Sacharowa. Sie gründeten effiziente Arbeitsgruppen und setzten Programme zur ökonomischen Entwicklung um, wodurch sie die Region, die zuvor wesentlich von Zuschüssen des Leningrader Gebiets abhängig gewesen war, so voranbrachten, dass sie sich heute rasch weiter entwickelt und bedeutende Investitionen anzieht.
Heute entwickeln sich auf dem Territorium der Region Lomonossow erfolgreich Großunternehmen wie: „Philip Morris Ischora“, „Kraft Foods“, „Petro Frigo“, „Xoma“.
Ebenso ein Unternehmen zur Wiederverwertung von Schwermetallen aus Schrott „Xetex“,
eine holzverarbeitende Firma „Skif“, eine Grafik-Firma „Poligrafiformlenie 21. Jahrh.“ und viele andere...
Der Umfang von Produktion, Arbeit und Dienstleistungen wuchs um den Faktor 5,4 und macht heute schon ein Fünftel des Umfangs der Industrieproduktion des Leningrader Gebietes aus.
Die Region Lomonossow behält aber auch ihre führende Position in der landwirtschaftlichen Produktion. Es muss auch erwähnt werden, dass dank dem Interesse und der Unterstützung durch den Leiter der Administration, Waleri Gusew, sich kleine Unternehmen, besonders im Bereich des Handels, der Gastronomie, der Herstellung von Gebrauchsgütern sowie im Bereich alltäglicher Dienstleistungen für die Landbevölkerung entwickeln. Die erfolgreiche Entwicklung der Wirtschaft erlaubt es, einen wachsenden Anteil des kommunalen Budgets sozialen Bedürfnissen zuzuführen und die Lebensqualität der Bevölkerung des Landkreises zu verbessern.
Der Autor hofft, dass dieses erste Buch über den Landkreis Lomonossow, das dem 80-jährigen Jubiläum gewidmet ist, nicht nur eine Art Wegweiser für die Leser sein wird,
sondern auch als Anregung wirkt, neue und tiefergehende Erkenntnisse über die Geschichte dieser bemerkenswerten, schönen und erstaunlichen Region des Leningrader Gebietes anzustreben.
Viktor Monja
<Übersetzt von Dr. Roswitha Rietschel-Kluge im August 2007 für den Partnerschaftsverein und die Stadt Oberursel>





