Ein Gemeinschaftsprojekt des Vereins zur Förderung der Oberurseler Städtepartnerschaften e.V. und des IB Freier Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit.
Vor einigen Wochen fragte Frau Angela Behrs von der Stadtresidenz beim Partnerschaftsverein an, ob gebrauchte Rollstühle, die sich im Keller der Residenz angesammelt hatten, eventuell für unsere russische Partnerstadt gebraucht würden. Erfahrungen und Erkundigungen erbrachten zunächst die Erkenntnis, dass der Transport durch eine Spedition zu teuer würde und in Russland mit Zollproblemen zu rechnen ist. Dies schien zunächst gegen so ein Projekt sprechen.
Marina Achromowa, die Vorsitzende des Lomonossower Partnerschaftsvereins, war dagegen der Meinung, dass man jede Anstrengung unternehmen sollte, die Rollstühle nach Russland zu schaffen, da dort der Bedarf außerordentlich groß sei. Behinderte Menschen hätten so gut wie keine Möglichkeit, einen Rollstuhl zu erwerben oder irgendwoher finanziert zu bekommen. Die Einkommen sind zu klein, und die Rollstühle zu teuer. Krankenversicherungen, die solche Hilfen bezahlen, gibt es nicht.
Also griffen wir zu. Gemeinsam mit Frau Behrs und dem IB räumten wir den Keller der Residenz aus und schafften insgesamt sechs Rollstühle und eine Menge Zubehör in die Ecke einer Tiefgarage. Dann dachten wir über den Transport nach. Wir hatten schon vor einiger Zeit einem Gast aus Lomonossow, der nur wenig Gepäck dabeihatte, kurzerhand ein Fahrrad mitgegeben, und das war ohne Probleme als Fluggepäck mitgenommen worden. Worin unterscheidet sich eigentlich ein Rollstuhl von einem Fahrrad? Beide bestehen aus zwei Rädern und einer sie verbindenden Metallkonstruktion. Auch das Gewicht ist ähnlich.
Also machten wir einen Test: Einer der Rollstühle wurde gereinigt, repariert, zusammengeklappt und das flache Paket mit Plastikfolie fest umwickelt. Unser Schatzmeister Carsten Jörges plante eine Reise nach St. Petersburg. Er erklärte sich bereit, das unhandliche Paket als Reisegepäck mitzunehmen. Hätte es nicht geklappt, hätte einer von uns den Rollstuhl vom Flughafen wieder mit nach Hause genommen. Aber das erwies sich nicht als nötig.
In St. Petersburg wurde Carsten Jörges am 24. März 2006 schon sehnsüchtig erwartet. Das Geschenk aus Deutschland kam unerwartet – wie ein Geschenk des Himmels – wie die Mutter des behinderten jungen Mannes Igor Pachomow, Walentina Iwanowna Pachoma, bei der Übergabe des Rollstuhls durch die Vorsitzende des Elternvereins "Mosaika", Tatjana Saschina, am nächsten Tag ausrief. Die übrigen Rollstühle aus der Tiefgarage werden auch bald nach Lomonossow fliegen, denn es werden in den nächsten Wochen mehrere Reisegruppen zwischen Oberursel und Lomonossow unterwegs sein, und da wird immer der eine oder andere Rollstuhl im Fluggepäck sein.
Jetzt geht es um den Nachschub. Wir suchen Oberurseler Bürger, in deren Keller eventuell noch ein Rollstuhl steht und hoffentlich noch nicht so bald wieder gebraucht wird. Es kommen auch Seniorenheime in Frage, die nicht wissen, wohin mit den Rollstühlen. Wir bitten die Besitzer, zu überlegen, ob sie sich entschließen könnten diesen Rollstuhl dem Partnerschaftsverein zu spenden, damit er sich ebenfalls in ein „Geschenk des Himmels“ verwandeln kann. Wer so einen Rollstuhl entbehren kann, soll sich bei Frau Dr. Roswitha Rietschel-Kluge, Telefon 06171-56163, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. melden.
Tatjana Saschina, Vorsitzende des Vereins „Mosaika“ in Lomonossow, schreibt uns:
"Igor Pachomow, geb. 1977, lebt bei seinen Eltern. Ein Schulbesuch war nie möglich, da er von keiner Schule aufgenommen wurde. Er leidet an einer zerebralen Bewegungsstörung (Lähmung) und außerdem an einer Sprachstörung. Das einzige Fenster zur Welt ist für ihn der Fernseher. Er beobachtet das Fernsehprogramm aufmerksam, obwohl er nicht sprechen kann. Der Rollstuhl bedeutet für ihn viel. Jetzt können seine Eltern mit ihm ins Freie fahren. Er liebt Ausfahrten sehr. Als er einmal zur Kur in einem Ferienheim war, wurde er öfters mit einem Rollstuhl ausgefahren, und das hat er sehr genossen. Igor versteht, dass er nicht so ist wie die anderen. Deshalb hat es ihn sehr aufgeregt, als man ihn mit seinem Rollstuhl fotografieren wollte. Er hatte Angst, dass er nicht gut aussieht. Schließlich hat er die Prozedur aber mit Humor über sich ergehen lassen.
Walentina Iwanowna Pachoma, Igors Mutter dankt den deutschen Freunden für den geschenkten Rollstuhl.
Die Mitglieder des Vereins „Mosaika“ danken dem Lomonossower Partnerschaftsverein 'Kalinka' und dessen Vorsitzender Marina Achromowa für die Vermittlung bei der Beschaffung des Rollstuhls. Sie danken auch den deutschen Freunden des Vereins zur Förderung der Oberurseler Städtepartnerschaften und besonders Frau Dr. Roswitha Rietschel-Kluge und den anderen Freunden aus Oberursel, sowie den Freunden vom IB, die den behinderten Kindern von Lomonossow geholfen haben."





